doxx.net sammelt 38 Mio. Dollar für privates KI-Agenten-Netz

doxx.net sammelt 38 Mio. Dollar für privates KI-Agenten-Netz

Das Unternehmen doxx.net aus Miami hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 38 Millionen Dollar abgeschlossen und eine Netzwerkplattform gestartet. Sie soll KI-Agenten von bösartigen Zielen fernhalten, während diese im Netz surfen und für ihre Nutzer handeln.

Angeführt wurde die Runde von Andreessen Horowitz, beteiligt waren außerdem Animo Ventures und Focal.vc. Gegründet wurde das Unternehmen 2025 von dem Seriengründer Barrett Lyon, der auch als CEO tätig ist. doxx.net ist auf sechs Kontinenten aktiv.

Das Problem mit Agenten im offenen Netz

KI-Agenten rufen heute Websites auf, kontaktieren Dienste, kommunizieren und handeln im Auftrag der Menschen, die sie einsetzen. Dabei nutzen sie die Konten und Befugnisse ihrer Nutzer. Das Problem ist laut doxx.net, dass diese Agenten sichere Informationen und Aktionen nicht zuverlässig von unsicheren unterscheiden können.

Die Antwort des Unternehmens heißt Agentic Defined Networking (ADN) und befindet sich jetzt in der offenen Beta. ADN bietet Agenten eine Umgebung mit festgelegten Verbindungen und eingebautem Schutz vor Bedrohungen. So werden sie daran gehindert, bei ihrer Arbeit bekannte bösartige Ziele anzusteuern.

ADN läuft als paralleles, privates Netzwerk, über das sich Menschen und KI-Agenten verbinden, kommunizieren und surfen können. Zentrale Vermittlungsserver kommen dabei nicht zum Einsatz. Solche Server verursachen nach Ansicht von doxx.net gleich mehrere Probleme: Sie sind ein zentraler Punkt für Abfangen und Überwachung, ihre Datenschutzzusagen sind oft eher Richtlinie als Tatsache, sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Agent auf einer bösartigen Seite landet, und sie lassen sich zensieren oder sperren.

"Die Branche verkauft Datenschutz als Funktion, während sie Ihren Datenverkehr über gemietete Infrastruktur leitet, die ihr nicht gehört und die sie nicht überprüfen kann", sagte Lyon. "Wir haben physisch etwas anderes gebaut: eine Plattform, bei der der Datenschutz aus der Architektur selbst kommt und nicht aus einem Richtliniendokument."

Er fügte hinzu, das Netzwerk sei so konzipiert, dass die Nutzer selbst und nicht Dritte die Bedingungen ihrer Privatsphäre bestimmen. "Die wissen, wonach Sie suchen, wohin Sie gehen und mit wem Sie sprechen. Wir nicht. Und wir haben das Netzwerk so gebaut, dass wir es auch nie können."

Eigene TLDs, eigene Zertifizierungsstelle

Die Plattform umfasst serverlose Peer-to-Peer-Kommunikation mit Ende-zu-Ende-Nachrichten und Dateiübertragungen, einen Bedrohungsschutz, der bösartige Ziele, Schadsoftware und Phishing-Seiten blockiert, eine Agenten-Integration mit API-Steuerung sowie Funktionen für Datenschutz und gegen Tracking. Native Apps gibt es für iOS, macOS und Android, Windows und Linux werden ebenfalls unterstützt. Alles läuft über das weltweite Backbone des Unternehmens.

Kunden erhalten im privaten Netzwerk ein eigenes Namenssystem. Das parallele Ökosystem bietet 196 eigene Top-Level-Domains (TLDs) und eine eigene Zertifizierungsstelle. ADN-Netzwerke können Domains auflösen, die das öffentliche Internet nicht kennt, ohne dass Dritte beteiligt sind.

Der Bedrohungsschutz arbeitet auf DNS-Ebene. Bekannte und neu auftauchende bösartige Ziele werden blockiert, bevor sich ein Agent oder ein Mensch mit ihnen verbindet. Nach eigenen Angaben hat doxx.net seit Dezember 2025, während der geschlossenen Beta, mehr als 38 Millionen Bedrohungen abgewehrt.

Laut dem Unternehmen können Kunden durchgängig auf Infrastruktur arbeiten, die doxx.net selbst gehört. Dazu zählen ein eigener IP-Adressraum und eine eigene Autonomous System Number (ASN), eine eigene DNS-Root, eine eigene Zertifizierungsstelle, lokale KI-Modelle und Bare-Metal-Server. Nutzer brauchen weder Benutzernamen noch Passwort oder andere persönliche Daten. Konten werden stattdessen per Proof-of-Work angelegt.

"Das Internet wurde nie für Privatsphäre entworfen", sagte Joel De La Garza, Partner bei Andreessen Horowitz und Mitglied im Board von doxx.net. Er beschrieb das Produkt als einen von Grund auf neu gedachten Datenschutz-Stack, damit "Menschen und KI-Agenten in einem Netzwerk arbeiten können, das durch seine Architektur privat ist und nicht durch ein Marketingversprechen".

Unsere Einschätzung

Die Finanzierung passt in ein klares Muster. Investoren stecken viel Geld in Unternehmen, die versprechen, die Handlungen von KI-Agenten zu kontrollieren, wie zuletzt die Finanzierungsrunde von Armadin gezeigt hat. Die Sorge dahinter ist berechtigt. Wir haben über Agenten berichtet, die heimlich Websites auslesen wollten, und über Untersuchungen, nach denen Agenten auch nach Abschluss ihrer Aufgaben Zugriff auf Daten behalten. Auf Netzwerkebene einzuschränken, wohin ein Agent darf, ist eine sinnvolle Kontrolle, und DNS-Filterung ist eine bewährte Abwehrmaßnahme.

Der Ansatz von doxx.net geht allerdings weit über reines Filtern hinaus. Ein paralleles Internet mit eigenen TLDs, eigener DNS-Root und eigener Zertifizierungsstelle verlagert das Vertrauen von vielen Dritten auf einen einzigen Anbieter. Für datenschutzbewusste Nutzer mag das passen, Organisationen werden die Behauptung "durch Architektur privat" aber wohl unabhängig überprüfen lassen wollen, bevor sie sich darauf verlassen.

Zu beachten ist auch, dass die Zahl von 38 Millionen abgewehrten Bedrohungen vom Unternehmen selbst stammt und unklar ist, wie eine "Bedrohung" gezählt wird. Ob die offene Beta Unternehmenskunden anzieht und ob externe Forscher die Plattform testen dürfen, wird zeigen, wie weit das Modell über die ersten Anwender hinaus tragen kann.