Signal: Verschlüsselte Backups jetzt auch auf iOS und Desktop
Signal hat Version 8.30 seiner Messenger-App veröffentlicht und bringt damit Ende-zu-Ende-verschlüsselte Backups auf alle unterstützten Plattformen: Android, iOS, Linux, macOS und Windows.
Android-Nutzer haben die Backup-Funktion schon vor fast einem Jahr bekommen. Damit lassen sich verschlüsselte Kopien der Chats anlegen und auf einem anderen Gerät wiederherstellen, etwa wenn ein Handy verloren geht oder gestohlen wird. Mit der neuen Version können nun auch Nutzer von iOS und Desktop Backups direkt auf dem Gerät erstellen.
Zwei Wege zum Backup
Signal bietet zwei Backup-Varianten an.
Die erste ist ein von Signal gespeichertes Online-Backup. Kostenlose Nutzer sind dabei auf Medien der letzten 45 Tage und 128 KB pro Nachricht beschränkt. Bezahlte Tarife heben die Grenze auf 100 GB an.
Die zweite ist ein lokales Backup auf dem Gerät, für das es keine Größenbeschränkung gibt.
Beide Varianten sind verschlüsselt, zum Entschlüsseln wird ein Wiederherstellungsschlüssel benötigt. Online-Backups nutzen zusätzlich einen zweiten, ergänzenden Schlüssel, der jeden Tag innerhalb einer Trusted Execution Environment gewechselt wird. Laut Signal sorgt das für zusätzlichen Schutz und Forward Secrecy, sodass ein einzelner kompromittierter Schlüssel keine älteren Daten preisgibt.
Bei der lokalen Variante sieht das anders aus. Nach Angaben von Signal kann der Wiederherstellungsschlüssel auf dem Gerät jede frühere Backup-Datei entschlüsseln, die mit ihm verschlüsselt wurde - ganz gleich, wo diese Dateien später gespeichert sind. Das macht den Schlüssel zu einem lohnenden Ziel, und Angreifer haben das bemerkt. Kurz nachdem Signal die Funktion eingeführt hatte, setzten Angreifer den Wiederherstellungsschlüssel auf die Liste der Dinge, hinter denen sie her sind.
Das betrifft vor allem Menschen, die ohnehin im Visier gut ausgestatteter Angreifer stehen, darunter auch solche, die mit kommerzieller Spionagesoftware überwacht werden. Wer an den Schlüssel und die Backup-Dateien gelangt, könnte ein Archiv vergangener Unterhaltungen mitlesen.
Ein Format für alle Plattformen
Neben den lokalen Backups für iOS und Desktop baut Version 8.30 auch die Android-Backups um, sodass sie nun dasselbe plattformübergreifende Format wie die anderen Clients verwenden.
Das Update bringt noch einige weitere Änderungen mit:
- Wird ein neues Gerät über das Hauptgerät verknüpft, holt es jetzt ältere Anhänge nach, die im Chatverlauf fehlen.
- Medien werden getrennt vom Backup-Archiv gespeichert, doppelte Dateien werden nur einmal abgelegt. Laut Signal fällt dadurch unnötiges Sichern und Synchronisieren weg.
- Zahlende Nutzer können alte Medien aus dem lokalen Speicher löschen und nur Vorschaubilder behalten. Die vollständigen Dateien werden bei Bedarf automatisch aus dem Online-Backup geladen.
Selbstlöschende Nachrichten bleiben außen vor
Selbstlöschende Nachrichten, die innerhalb von 24 Stunden verschwinden sollen, werden in keine der beiden Backup-Arten aufgenommen und landen daher nie im Archiv.
Wer sowohl Online- als auch lokale Backups nutzt, wird feststellen, dass das Online-Backup die lokale Kopie nicht überschreibt. Bei der Wiederherstellung werden selbstlöschende Nachrichten im lokalen Backup, die bereits abgelaufen sind, allerdings übersprungen.
Übertragung von iPhone zu iPhone
Die iOS-Version von 8.30 ermöglicht außerdem direkte Übertragungen zwischen iPhones. Die Übertragung läuft über eine lokale Wi-Fi-Aware-Verbindung, die Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist. Laut Signal ist die neue Methode schneller und zuverlässiger.
Signal bezeichnet diese Version als Abschluss der ersten Phase seines Backup-Projekts. Die Entwickler wollen sich nun Bereichen der App widmen, die nichts mit Backups zu tun haben.
Unsere Einschätzung
Für Signal-Nutzer, vor allem auf dem iPhone und am Desktop, schließt sich damit eine lange bestehende Lücke. Bisher bedeutete ein verlorenes Handy oft auch einen verlorenen Chatverlauf, und das trieb manche zu weniger vertraulichen Notlösungen. Ein verschlüsseltes, plattformübergreifendes Backup, das Signal selbst nicht lesen kann, ist eine vernünftige Antwort darauf.
Der Haken: Auf dem Wiederherstellungsschlüssel lastet jetzt viel Gewicht. Weil ein lokaler Backup-Schlüssel jedes damit erstellte Archiv öffnen kann, gehört er in dieselbe Kategorie wie das Master-Passwort eines Passwort-Managers. Nutzer sollten ihn offline aufbewahren und getrennt von dem Gerät, das er schützt. Dass Angreifer den Schlüssel schon kurz nach dem Start unter Android ins Visier genommen haben, zeigt, dass es sich nicht um ein theoretisches Problem handelt.
Es lohnt sich zu beobachten, ob Signal auch für lokale Backups einen Schlüsselwechsel oder eine ähnliche Forward Secrecy einführt, wie es sie bei Online-Backups bereits gibt. Organisationen, die Signal auf Dienstgeräten erlauben, sollten zudem prüfen, wo Desktop-Backup-Dateien gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann. Clients aktuell zu halten, bleibt Grundhygiene - Korrekturen wie Apples jüngster Zero-Day-Patch zeigen, dass das Gerät darunter genauso wichtig ist wie die App.
